Fehler im ersten Satz

Nichts ist ärgerlicher, als in seiner wissenschaftlichen Arbeit direkt im ersten Satz einen Fehler zu entdecken. So auch bei diesem Studenten: „XYs Qualität als charistmatischer Herrschaft wird immer wieder betont (…)“. Als Korrektorin ist mir bewusst, dass es sich hier um einen typischen Flüchtigkeitsfehler handelt, der daraus resultiert, das in der Arbeit häufig der Begriff „charismatische Herrschaft“ verwendet wird. Hier jedoch wird eindeutig das Wort „Herrscher“ gemeint.

Da einem als Autor solche Fehler meistens nicht auffallen, ist es immer zu empfehlen, Texte von Probelesern und Korrektoren prüfen zu lassen.

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Die Gender-Frage

In der heutigen Zeit, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind, tritt häufig die Frage nach Gleichberechtigung in der Sprache auf. In der Sprache werden meistens die grammatisch maskulinen Formen als die neutrale, allgemeine Form verwendet. Davon fühlen sich aber einige Frauen diskriminiert, daher suchen viele Studenten und Wissenschaftler nach Formen, die auch das weibliche Geschlecht eindeutig einschließen.

Es gibt dafür verschiedene Lösungen. So kann man sich zum Beispiel dafür entscheiden, alle Berufsbezeichnungen immer konsequent in beiden Geschlechtsformen anzugeben, z. B. Mitarbeiter/‑innen. Das ist allerdings nur dann zu empfehlen, wenn man über die gesamte Arbeit konsequent darauf achtet, dass wirklich alle Bezeichnungen in diesen zwei Formen auftreten, sonst tritt eine Inkonsequenz auf, die das Gesamtbild der Arbeit stört.

Feministinnen entscheiden sich manchmal für die zweite Lösung: alle Bezeichnungen nur in der weiblichen Form hinschreiben, z. B. Mitarbeiterinnen. Ich persönlich sehe diese Lösung kritisch, da hier wiederum eindeutig das männliche Geschlecht diskriminiert wird.

Die dritte Lösung ist einfach und elegant. Es wird weiterhin in der allgemein als neutral empfundenen maskulinen Form geschrieben und fügt in der Einleitung oder in einer Fußnote die kleine Anmerkung an, dass die maskuline Form beide Geschlechter gleichermaßen einschließt.

 

Aufgehängt oder aufgehangen?

Dies ist eines der Wörter, die regelmäßig für Unsicherheiten sorgen. Plötzlich fragt man sich, ob es nun „Sie hat die Wäsche aufgehängt“ oder „Sie hat die Wäsche aufgehangen“ heißt.

Vorher kommt das Problem? Es gibt zwei Verben „hängen“.

Es gibt einmal das transitive Verb „hängen“ und einmal das intransitive Verb „hängen“. Damit ist die Verwirrung komplett.

Erst einmal zur Worterklärung:

Transitive Verben haben ein Akkusativobjekt. Ein gutes Beispiel ist „lieben“, denn es gibt einen, der liebt, und jemanden oder etwas, das geliebt wird: „Der Hund liebt sein Herrchen.“

Intransitive Verben hingegen haben kein Akkusativobjekt. Ein Beispiel dafür ist „sterben“, denn man stirbt immer allein: „Die Katze stirbt.“

Wenn es also das transitive Verb „hängen“ ist, handelt es sich um ein regelmäßiges Verb: hängen – hängte – gehängt.

Handelt es sich um das intransitive „hängen“, ist es ein unregelmäßiges Verb: hängen, hing, gehangen.

Ein etwas makabres Beispiel:

Der Mann hat sich aufgehängt. (transitiv, da „sich“ als Akkusativobjekt fungiert)

Er hing dort eine Woche. (intransitiv)

Er hätte dort noch lange gehangen, wenn ihn ein Spaziergänger nicht gefunden hätte. (intransitiv)

Ein weniger makabres Beispiel:

Sie hängte die neue Lampe auf. (transitiv, da Lampe ein Akkusativobjekt ist)

Die alte Lampe hing im Wohnzimmer zehn Jahre. (intransitiv)

Verwendung von Zitaten

Manchmal setzten Studenten Zitate in ihren Arbeiten falsch ein. Mir ist aufgefallen, dass Zitate häufig als eine Art „Ersatz“ für eigene Sätze oder Textpassagen verwendet werden und einfach unkommentiert dastehen. Zitate sollten aber möglichst in den eigenen Text eingebunden werden, indem sie entweder mit ein paar Worten eingeleitet oder hinterher kommentiert werden und Bezug auf sie genommen wird.

Zitate sollte man immer mit Bedacht wählen, sodass sie die eigenen Aussagen untermauern und belegen. Oder sie müssen analysiert, interpretiert und anschließend eigene Schlüsse daraus gezogen werden.

Es gibt zwei Fälle, in denen ein Zitat als überflüssig zu bewerten ist:

1. Wenn ein Zitat nur „schmückendes Beiwerk“ ist und inhaltlich nichts zu der Arbeit beiträgt.

2. Wenn er den eigenen Text ersetzt.

Im zweiten Fall kann manchmal auf das Zitat verzichtet und der Inhalt mit eigenen Worten wiedergeben werden (in der Quellenangabe mit „vgl.“ angeben).

Apostroph bei Abkürzungen

Der Student schreibt über Nichtregierungsorganisationen und möchte die Abkürzung NGO verwenden. Alles ist stimmig und gut, bis er irgendwann die Mehrzahl verwenden möchte und vor der schwierigen Frage steht: Heißt es nun richtig NGOs, NGO`s oder doch vielleicht NGO?

Die Antwort lautet: NGOs. In der deutschen Sprache werden Apostrophe beim Plural-„s“ grundsätzlich nicht verwendet. Das gilt auch für Abkürzungen.

Stilistik: Personalpronomen

Der Stil einer wissenschaftlichen Arbeit unterscheidet sich von dem anderer Textsorten. Immer wieder wird von Studenten in der 1. Person Singular geschrieben, wenn sie ihre Forschungsfrage, ihre Methoden und eigene Meinung beschreiben. Tatsächlich ist es in vielen Ländern wie z. B. in Polen oder Tschechien vollkommen legitim, diese Form in wissenschaftlichen Arbeiten zu verwenden. An den meisten deutschen Universitäten wird es hingegen nicht gerne gesehen. So ist in deutschsprachigen Arbeiten das Personalpronomen „ich“ meist zu vermeiden. Solche Sätze, in denen die persönliche Meinung oder Zielsetzung kundgegeben wird, werden am besten mit Wendungen wie „die Verfasserin der vorliegenden Arbeit“ oder „die Autorin dieser Arbeit“ formuliert. So wird eine Distanz zur eigenen Person geschaffen, es ist aber dennoch deutlich, dass es die eigene Meinung ist. Diese Form ist allerdings für viele Studenten zunächst gewöhnungsbedürftig.

In die gleiche Kategorie fällt die persönliche Anrede des Lesers. Was vielleicht in Werbetexten oder Märchen gut passt, ist in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht angemessen. Also sollten weder das Personalpronomen „Sie“ noch Pronomen, die den Leser mit einschließen z. B. „uns“ oder „wir“ eingesetzt werden. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: „Die Untersuchung der uns hier vorliegenden Werke auf schwarzromantische Elemente“ In diesem Satz reicht es aus, das „uns“ wegzulassen.

Allgemeine Tipps zur Korrektur von wissenschaftlichen Arbeiten

Meine Erfahrung als Korrektorin hat gezeigt, dass Studenten in ihren Haus- und Abschlussarbeiten immer wieder die gleichen Fehler machen. Wer also beim Überarbeiten seiner wissenschaftlichen Arbeit folgende Punkte beachtet, vermeidet schon viele unnötige Fehler:

  • Schreibe keine zu langen Sätze. Bei mehr als zwei Einschüben wird der Satz oft zu unübersichtlich.
  • Achte darauf, dass die Pronomen einen klaren Bezug haben. Häufig wird „dies“ am Satzanfang verwendet, ohne dass zu hundert Prozent klar wäre, worauf es sich bezieht.
  • Prüfe, ob die Kapitelnummerierung wirklich durchlaufend ist. Nichts ist ärgerlicher, als nach dem Binden der Arbeit festzustellen, dass die Nummern nicht stimmen.
  • Prüfe auch, ob die Seitenzahlen zwischen Text und Inhaltsverzeichnis tatsächlich übereinstimmen.
  • Achte auf eine einheitliche Schreibweise von Fachbegriffen und Wörtern.
  • Auch die Formatierung von Hervorhebungen und Bildunterschriften sollte einheitlich sein.
  • Sind alle Informationen, die nicht von dir selbst stammen, mit Quellenangaben versehen?
  • Doppelte Leerzeichen kannst du mithilfe der Ersetzen-Funktion von Word finden.
  • Abkürzungen im Fließtext sollten vermieden werden. Nur in Klammern und Fußnoten können sie verwendet werden.
  • Hast du alle Zahlen bis 12 ausgeschrieben? Nur Zahlen, denen eine Einheit nachfolgt (z. B. 5 kg), sind davon nicht betroffen.
  • Verwende keine rhetorischen Fragen. Es wird in wissenschaftlichen Arbeiten lieber gesehen, wenn du die Fragen indirekt formulierst.

Wenn du das Gefühl haben solltest, „betriebsblind“ geworden zu sein und die eigenen Fehler nicht mehr zu sehen, hilft es manchmal, die Arbeit einige Tage liegen zu lassen. Dann hast du einen frischen Blick darauf. Empfehlenswert ist auch, deine Arbeit einem Kommilitonen oder Familienmitglied zum Gegenlesen zu geben. Da diese allerdings nicht immer „Grammatik- und Rechtschreibgenies“ sind, kann unter Umständen auch eine professionelle Korrektur helfen.